06.07.2020

Mehr Dampf in den Kessel!

Zellertalbahn – Klimaprojekt mit Potenzial für den ländlichen Raum

Kommen jetzt Fördermittel des Landes? / Resolution im Kreistag


Nach der neuerlichen Überprüfung durch den Landesrechnungshof ist aus Sicht von Jutta Blatzheim-Roegler, verkehrspolitische Sprecherin der GRÜNEN Landtagsfraktion, und der regional zuständigen Abgeordneten Pia Schellhammer der Weg frei für eine rasche Umsetzung. Der Kreistag Alzey-Worms hat in seiner Sitzung am 30. Juni eine Resolution zur Zellertalbahn verabschiedet.

Streckenkarte der Zellertalbahn

(Karte: Von Hoff1980 - OpenStreetMap data for the backgroundthis map by TUBS for the orientation map, CC BY-SA 2.0, commons.wikimedia.org/w/index.php)


  Die Grünen-Parlamentarierinnen führen in einer Pressemitteilung aus: "Die Wiederinbetriebnahme der Zellertalbahn ist überfällig, von den Kommunen vor Ort und dem Donnersbergkreis ist das Projekt einhellig gewollt. Für den Güterverkehr auf der Strecke gibt es gute Prognosen, was den vom Landesrechnungshof zunächst kritisierten Kosten-Nutzen-Faktor deutlich verbessert hat. Und auch der Fördertopf des Landes zur Reaktivierung von Bahnen mit touristischem Hintergrund steht bereit und kann hier genutzt werden.

  Wir GRÜNEN verfolgen seit Jahren das Zellertalbahnprojekt mit Nachdruck und haben dafür gesorgt, dass die rheinland-pfälzische Ampelkoalition es in die Koalitionsvereinbarung aufgenommen hat. Die Zellertalbahn hat über den Ausflugsverkehr hinaus ein hohes Potenzial: Die langfristige Perspektive ist ein durchgehender Schienenverkehr von Kaiserslautern nach Worms mit einer Erschließung der Region und attraktiven Anschlüssen von Worms in Richtung Rhein-Main. Hier entsteht ein nachhaltiges Infrastrukturprojekt mit hohem Nutzen für die Menschen im ländlichen Raum und für den Klimaschutz. 

  Nach der parlamentarischen Behandlung in der Rechnungsprüfungskommission des Landtags ist der Weg aus unserer Sicht jetzt endgültig frei für eine rasche Umsetzung. Wir erwarten, dass der Förderbescheid des Landes zügig überstellt wird. Einer schnellen Einleitung des Planrechtsverfahrens, vor allem für die Bahnübergänge, steht nach unserer Einschätzung nichts mehr im Weg. Eine Inbetriebnahme 2022 sollte auf jeden Fall gelingen."

Die Koalition von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FWG im Kreistag Alzey-Worms hat eine Resolution zur Zellertal ausgearbeitet, die im Kreistag verabschiedet wurde: "Der Kreistag Alzey-Worms fordert die Landesregierung auf, die Landesmittel zur Förderung der Sanierung der Zellertal-Bahnstrecke unverzüglich zu bewilligen und damit einen nachhaltigen Beitrag zur Stärkung der regionalen Verkehrsinfrastruktur, des öffentlichen Personennahverkehrs und zur Umsetzung der Verkehrswende zu leisten."

In der Begründung der Resolution wird die Entwicklung der Bemühungen um den Erhalt und um die Reaktivierung der Bahnstrecke dargestellt.

"Die 27,7 km lange Zellertalbahn zwischen Monsheim und Langmeil wurde in den Jahren 1872/73 als Hauptbahn gebaut und stellte bis in die 1970er Jahre eine bedeutende Ost-West-Verbindung im Bahnverkehr zwischen Worms und Kaiserslautern – sowohl für den Personen-, als auch für den Güterverkehr und militärische Transporte dar.

Zwar wurde der Verkehr im Jahr 1983 vorläufig eingestellt, jedoch konnte die Trasse bis heute erhalten werden. Der Gleiskörper und Unterbau der Strecke kann der Streckenklasse D4 zugeordnet werden, was dem Standard für Neu- und Ausbaustrecken mit einer vergleichsweise sehr hohen zulässigen Radsatzlast bis 22,5 t entspricht. Komplett sanierungs- bzw. erneuerungsbedürftig sind vor allem die gesamte Signaltechnik und die Bahnübergänge. Hierzu liegen seit Jahren fertig ausgearbeitete Planungen und fortgeschriebene Kostenberechnungen vor.

Im Jahr 2001 wurde die Strecke für den Ausflugsverkehr an Sonn- und Feiertagen reaktiviert. Die optional vorgesehene Wiederaufnahme der Strecke in den Rheinland-Pfalz-Takt scheiterte 2015 an dem insgesamt ungünstigen Ausschreibungsergebnis für das Regionalnetz. Wegen des Sanierungsstaus musste der Betrieb im Jahr 2017 vorerst eingestellt werden. Es wurde jedoch bei der Landesregierung ein Förderantrag gestellt, wobei ein Fördersatz von 85 % zugrunde gelegt und auch zugesagt wurde. Die Ertüchtigung der Zellertal-Bahnstrecke ist als Ziel im Koalitionsvertrag der die Landesregierung bildenden Parteien festgeschrieben.

Die kommunalen Gebietskörperschaften entlang der Strecke messen der Zellertalbahn eine erhebliche Bedeutung für die zukünftige Entwicklung der Region zu und haben sich daher vertraglich verpflichtet, den 15%igen kommunalen Anteil für die Sanierung aufzubringen.

Im Hinblick auf eine nachhaltige Verkehrswende und die zu erwartende zukünftig steigende Bedeutung auch des schienengebundenen Personen- und Güterverkehrs stellt die Reaktivierung der Zellertalbahn und deren Aufnahme in den Rheinland-Pfalz-Takt einen wichtigen Baustein zur Verbesserung einer zukunftsfähigen regionalen Verkehrsinfrastruktur dar.

Ausdrücklich widersprechen wir der Einschätzung des Landesrechnungshofes, wonach eine Ertüchtigung der Strecke unwirtschaftlich sei, denn dabei legt der Rechnungshof ausschließlich den Status quo zu Grunde und lässt die zukünftigen energie- und verkehrspolitischen Veränderungen bewusst außer Acht.

Bereits heute besteht seitens regionaler Unternehmen, wie z.B. der Firma Bindewald, großes Interesse, die Strecke auch für den Güterverkehr zu nutzen. Daher sind wir überzeugt, dass eine Entscheidung zu Gunsten der Erhaltung und Sanierung der Zellertalstrecke ein wichtiger Impuls für die zukünftige Entwicklung der von der Bahnlinie erschlossenen Region ist und darüber hinaus auch im überregionalen Schienennetz Impulse für eine Stärkung umweltfreundlicher Verkehrsmittel setzen wird."

Dazu auch:

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